Die Antarktis
Die Antarktis ist der Kontinent der Superlative: der südlichste, kälteste, trockenste, höchste Kontinent der Erde. Als letzter entdeckt, stellt er noch heute unbezwingbare Wildnis dar. Eine Eiswüste, die 80 Prozent des Trinkwassers der Erde speichert.
Gesichtet wurde der riesige Kontinent am Südpol erstmals am 26. Januar 1820 von Fabian Gottlieb von Bellingshausen - im Februar des darauffolgenden Jahres wurde er von Robbenfängern erstmals betreten. Sein Dasein vermutet hatten aber bereits ägyptische und griechische Philosophen rund 500 v. Chr., die ihm seinen Namen gaben: Antarktos.
Die Antarktis ist fast 40mal so groß wie Deutschland und der einzige Erdteil ohne Bevölkerung. Auch im Sommer (Dezember bis Februar) sind 99 % der Antarktis mit Eis bedeckt, stellenweise bis zu 5000 Meter dick. Sie gilt als "natürliches Archiv" für die Naturgeschichte der Erde und hat entscheidenden Einfluss auf das Weltklima und die über das Südpolarmeer verbundenen Meeresökosysteme. Zahlreiche Staaten nutzen sie als "wissenschaftliches Freiluftlabor", was u.a. zur Entdeckung des Ozonlochs geführt hat.
Oasen in der Eiswüste
Die großen eisfreien Gebiete der Antarktis wie etwa das Dry Valley im Victorialand werden Oasen genannt. Doch Palmen gibt es hier nicht mal als Fata Morgana, im Gegenteil: Antarktische Oasen sind wüstenartig und haben sehr tiefe Temperaturen. Nur einige Algen und Flechten können hier überleben. Doch für Forscher sind sie ein Paradies, da der Boden offen zugänglich ist.
Flora und Fauna
Die Antarktis ist umgeben von einer riesigen Packeiszone, in der sich eines der üppigsten Ökosysteme der Welt entwickelt hat. In den Meeren wimmelt es von riesigen Schwärmen antarktischen Krills (Euphausia superba) und anderer Kleinkrebsen. Dieser Krill bildet den Beginn der Nahrungskette für die zahlreichen Meeres- und Landtiere, wie Fische, Wale, Kalmare, Seelöwen, Seehunde, Pinguine und zahlreiche Meeresvögel.
Auf dem antarktischen Packeis brüten zwei Pinguinarten: Der Kaiserpinguin und der Adeliepinguin. Zu den auf dem antarktischen Kontinent brütenden Vögeln zählen jedoch auch 19 flugfähige Vogelarten wie beispielsweise der Königsalbatros sowie der Schneesturmvogel und der Silbersturmvogel, die beide zum Teil hundert Kilometer landeinwärts auf dem antarktischen Kontinent liegenden Bergen brüten, die eisfrei hervorragen.
Unter den Robben, die in der Antarktis an Land gehen, sind vor allem die Weddellrobbe, der Krabbenfresser und der Seeleopard erwähnenswert. Im Sommer kommen noch mehr als 100 Millionen Zugvögel hinzu, die auf dem Packeis und den vorgelagerten Inseln brüten. Es wurde abgeschätzt, dass allein die Wale des Südlichen Ozeans etwa 55 Millionen Tonnen Tintenfische fressen, das entspricht etwa drei Viertel der Menge des Fischfangs der weltweiten Fischereiflotten.
Im Gegensatz zum vielfältigen Leben in den Ozeanen und an den Schelfeisrändern erscheinen die wenigen eisfreien Regionen, die auch als antarktische Oasen bezeichnet werden und die sich im Innern der Antarktis befinden, öde und leer, da hier kaum höher entwickelte Lebensformen vorgefunden werden. Stattdessen werden diese Gebiete vorwiegend von Mikroorganismen, Moosen und Flechten sowie einigen wirbellosen Tieren bevölkert. In der gesamten Antarktis gibt es nur zwei Blütenpflanzen: die Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) und das Nelkengewächs Antarktische Perlwurz (Colobanthus quitensis). Durch den Menschen eingeschleppt wurden jedoch auch der Kriechende Hahnenfuß, die Wassersegge, die Rispengräser Poa annua und Poa pratensis sowie die Vogelmiere. Das größte dauerhaft landlebende Tier der Antarktis ist eine 12 Millimeter große, flügellose Zuckmückenart namens Belgica antarctica. Neben diversen Algen wurden mittlerweile mehr als 200 Flechtenarten, mehr als 100 Arten von Moosen und Lebermoosen sowie etwa 30 Macrofungi gefunden.
Lange Tage, lange Nächte
Die Antarktis liegt fast vollständig innerhalb des südlichen Polarkreises, also südlich des 66. Breitengrades. Durch die Schieflage der Erdachse im Verhältnis zur Sonne kommt es oberhalb des Nördlichen und unterhalb des Südlichen Polarkreises zu einem besonderem Phänomen - dem Polartag: Ein Tag, an dem die Sonne 24 Stunden lang zu sehen ist. Je näher man den Polen kommt, umso mehr Polartage gibt es. Im antarktischen Sommer von Dezember bis Februar scheint durchgehend die Sonne, dafür ist von Juni bis August lange, dunkle Polarnacht.
Tätigkeiten in der Antarktis
In erster Linie wird in der Antarktis wissenschaftliche Forschung betrieben. In den derzeit über 40 ganzjährig besetzten Forschungsstationen arbeiten Wissenschaftler – vielfach auch in internationaler Kooperation – an verschiedensten Projekten, die von Routinemessungen bis zu Grundlagenforschung reichen. Man erhofft sich dadurch Rückschlüsse auf den Einfluss der vom Menschen verursachten Umweltverschmutzung auf die derzeitigen Klimaveränderungen und eine Grundlage für Prognosen der künftigen Entwicklung. Auch werden Messungen von Treibhausgasen in der Atmosphäre durchgeführt sowie der Abbau der Ozonschicht über der Antarktis untersucht. Diese Forschungsprogramme verdeutlichen die wichtige Rolle dieses Kontinents für das Weltklima.
Der Schutz der Antarktis
Der Schutz der Antarktis und ihrer empfindlichen Ökosysteme vor Umweltschäden hat auch auf Grund ihrer Bedeutung für das Weltklima für die Konsultativstaaten immer größeres Gewicht erhalten. Dabei standen viele Jahre die möglichen Auswirkungen von Bergbauaktivitäten auf die antarktische Umwelt im Mittelpunkt. Ein Ressourcenübereinkommen von 1988, das die Gewinnung mineralischer Rohstoffe unter Beachtung strenger Umweltschutzvorschriften zulassen sollte (CRAMRA), trat mangels Ratifikation nicht in Kraft. Stattdessen wurde der kommerzielle Abbau mineralischer Ressourcen durch das Umweltschutzprotokoll von 1991 ganz verboten. Dieses Protokoll und seine derzeit in Kraft stehenden fünf Anlagen umfassen materielle und Verfahrensregelungen für umweltgerechtes Verhalten auf dem 6. Kontinent, darunter eine Genehmigungspflicht für jede erhebliche Aktivität in der Antarktis (z.B. Forschungsexpeditionen, Touristenreisen) und Umweltverträglichkeitsprüfungen. Die in 2005 angenommene, aber noch nicht in Kraft getretene sechste Anlage "Haftung für umweltgefährdende Notfälle" ist die erste internationale Haftungsregelung für Umweltschäden in der Antarktis und ein wichtiger Schritt zu einem umfassenden Haftungsregime zum Schutz der antarktischen Umwelt sowie deren abhängiger und verbundener Ökosysteme.
Die Antarktis in der Generalversammlung der Vereinten Nationen
Die Antarktis steht seit 1983 auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen (VN). Eine Initiative Malaysias, die darauf abzielte, das Antarktis-Vertragssystem den Vereinten Nationen zu unterstellen und die Antarktis zum "gemeinsamen Erbe der Menschheit" zu erklären, hatte auf Grund des Widerstands der Antarktis-Vertragsstaaten keinen Erfolg. Diese verweisen darauf, dass jedem VN-Mitglied der Beitritt zum Antarktisvertragssystem offen stehe und sich dieses Vertragssystem als effizient erwiesen und bewährt habe. Die 49. VN-Generalversammlung 1994 hat wieder Abstand von den Resolutionen genommen, die das Antarktis-Vertragssystem den Vereinten Nationen unterstellen wollten.